Lichter und Fähren — 01 Vorwort
Originalautor: Zuverlässige Wildnis
19. Februar 2026, 10:18
Shandong
In den 1980er- und 1990er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts entschied sich eine Gruppe junger Menschen in der Blüte ihrer Jugend, getragen von aufrichtiger Leidenschaft für Bildung, Schüler einer mittleren Lehrerausbildungsanstalt zu werden. Sie wurden später von der Zeit als die „Normalstudenten der mittleren Lehrerschulen“ in Erinnerung behalten.
Diese jungen Menschen verfügten weder über großzügige Vergünstigungen noch über glanzvolle Auszeichnungen oder spektakuläre Heldentaten. Doch mit lebenslanger Standhaftigkeit, Hingabe und Verantwortungsbewusstsein trugen sie die schwersten Jahre der chinesischen Grundbildung. Mit ihrer Jugend und ihrem Enthusiasmus legten sie das Fundament für die Grundbildung in China und erhellten den Bildungsweg von Millionen Kindern.
Ich selbst bin ein gewöhnlicher Pädagoge, geboren in den 1960er-Jahren. Als ich klein war, lebte unsere Familie stets am Rande des Auskommens – als warteten wir immer auf die nächste Ernte, um über die Runden zu kommen.
Nach meinem Abschluss an der Lehrerschule im Jahr 1985 blieb ich beim Bildungsamt des Kreises. Ich arbeitete dort als Schreibsekretär, war an der Organisation von Aufnahmeprüfungen beteiligt, unterrichtete im Rahmen von Unterstützungsprogrammen in Schulen und engagierte mich ehrenamtlich als Lehrer an einer gemeinnützigen Kunstschule.
Mehr als vierzig Jahre lang, durch Wind und Wetter – vom ambitionierten jungen Lehrerschüler bis zum grauhaarigen Menschen im Bildungswesen – habe ich die Entwicklung und Veränderungen im Bildungsbereich persönlich miterlebt und Generation um Generation von Schülern beim Erwachsenwerden begleitet. Große Heldentaten gab es nicht, doch im Herzen hat sich über die Jahre eine gewisse Tiefe angesammelt.
Am Tag meiner Pensionierung gab ich die Büroschlüssel zurück und blickte noch einmal vom Eingang des Bildungsamtes zurück. In dieses dreistöckige Bürogebäude war ich über vierzig Jahre lang ein- und ausgegangen.
Beim Aufräumen nahm ich schließlich nur wenige Dinge mit nach Hause: ein Gruppenfoto von meinem Abschluss an der Lehrerschule, einige Notizhefte mit Essays, die ich im Laufe der Jahre geschrieben hatte, und ganz unten im Schrank eine alte mechanische Nummernmaschine, die längst nicht mehr gebraucht wurde. Die vergilbten Seiten und die verblasste Druckfarbe brachten plötzlich einen Gedanken in mir hervor: Nach über vierzig Jahren sollte ich doch etwas davon festhalten.
So entstanden diese Notizen.
Dabei möchte ich betonen: Diese Aufzeichnungen handeln nicht nur von mir. Sie sind auch das Porträt einer ganzen Generation – gewissermaßen ein gemeinsamer Brief der Lehrerschüler der 1980er- und 1990er-Jahre.
Was hier festgehalten wird, ist kein Erfolgsgeschichtenbuch, sondern ein Wegbericht. Es sind die Menschen, Ereignisse und Zeiten, denen ich in über vierzig Jahren begegnet bin – Spuren, die sie im Leben eines Einzelnen hinterlassen haben.
Die Namen von Lehrern, Mitschülern, Vorgesetzten, Kollegen und Mitstreitern, die in diesen Aufzeichnungen erscheinen, wurden aus Respekt und zum Schutz der Privatsphäre durch Pseudonyme ersetzt und in den entsprechenden Kapiteln verstreut erwähnt. Euer Vertrauen, eure Unterstützung, eure Nachsicht und das gemeinsame Kämpfen Seite an Seite bilden den festen Grundton meiner beruflichen Laufbahn.
Ich bin kein professioneller Schriftsteller; mein Stil ist unbeholfen und meine Rhetorik schlicht. Ich beschönige nichts, überhöhe nichts und weiche weder Ungerechtigkeiten noch Schwierigkeiten aus. Auch schreibe ich nicht, um Ruhm zu erlangen. Ich versuche lediglich, ehrlich aufzuschreiben, woran ich mich erinnere, damit diese einfachen und aufrichtigen Bildungserinnerungen von mehr Menschen gesehen werden können und unsere Generation von Pädagogen ein authentisches Bild hinterlässt.
Wenn spätere Generationen auf diese Zeit zurückblicken und wissen möchten, was ein gewöhnlicher Bildungsarbeiter in einem chinesischen Landkreis vom Ende des 20. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts tat und dachte, dann können sie vielleicht in diesen scheinbar nebensächlichen Aufzeichnungen eine Spur von Wahrheit finden.
Mein Leben wurde einst von meinen Eltern, Lehrern und von der Zeit selbst wie von Lichtern erhellt. Es wurde von unzähligen Vorgängern getragen und übergesetzt – wie von Fähren, die Menschen ans andere Ufer bringen.
Und später wurde ich selbst zu einem Licht und zu einem Boot: um weitere junge Leben zu erhellen, sie zu tragen und sie überzusetzen – hinüber zum Ufer des Wissens und des Lebens.
Das ist der Grund, warum ich diese Aufzeichnungen „Lichter und Fähren“ genannt habe.
Im Folgenden werde ich eine Geschichte nach der anderen erzählen. Wenn Sie ebenfalls aus jener Zeit stammen, werden Sie darin vielleicht gemeinsame Erinnerungen wiederfinden.
Die Lichter sind bereits entzündet, die Fähre hat abgelegt.
Mögen wir gemeinsam den Geschmack der Jahre kosten.
Möge jeder von uns auf seiner gewöhnlichen Reise eine Leidenschaft und Aufrichtigkeit finden, die ein Leben lang Bestand hat.
Neue wie alte Freunde sind herzlich eingeladen, diesem Projekt zu folgen.
Februar 2026