Es war ein Sonntag Ende März. Die Sonne schien warm vom Himmel. An einem so schönen Wochenende sollte man die Natur genießen. Wir wohnen nicht weit vom Tegernsee entfernt, waren aber noch nie dort gewesen.
Unterwegs war bereits alles grün, obwohl es noch ein wenig kühl war. Auf der Gegenfahrbahn kamen uns viele Autos entgegen – vermutlich Ausflügler, die schon vom Tegernsee zurückkehrten. Es war bereits später Vormittag. In der Ferne zeichneten sich die Alpen klar am Horizont ab. In der Sonne leuchtete der Schnee auf den Bergen besonders hell.
Nach etwa 40 Minuten Fahrt erreichten wir den Parkplatz an einem Badestrand. Die Parkplätze waren fast alle belegt, doch zum Glück fanden wir noch einen freien Platz. Für zwei Stunden war das Parken kostenlos – kaum zu glauben für ein so beliebtes Ausflugsziel. Nachdem wir uns vergewissert hatten, dass dies wirklich stimmte, stieg unsere Vorfreude noch mehr.
Schon vom Parkplatz aus sahen wir das ruhige, leicht wellige Wasser. Die Berge spiegelten sich darin – ein stilles, fast magisches Bild. Sofort liefen wir zum Strand. Ein sanfter Wind wehte. Die kleinen Wellen glitzerten silbern im warmen Sonnenlicht und schienen direkt ins Herz zu fließen.
Man schließt die Augen und atmet tief die frische Seeluft ein. Die fernen Berge, der nahe See und die warme Sonne verschmelzen zu einem Bild im Inneren. Man weiß nicht mehr, ob die Natur in einem selbst ist oder ob man noch mitten in ihr steht. Mensch und Natur werden eins.
Plötzlich holte uns das Pfeifen eines Zuges aus diesen Gedanken zurück. Ein Zug fuhr am See entlang und verschwand Richtung Berge. Wir kamen wieder im Hier und Jetzt an – und bemerkten, dass wir immer noch staunend am Ufer standen.
Auf der Terrasse eines Restaurants saßen viele Touristen. Wir hatten keinen Appetit auf Essen – aber großen Appetit auf die Natur. Ich fotografiere normalerweise gern mit meinem Handy, doch in diesem Moment fiel mir auf, dass ich noch kein einziges Bild gemacht hatte. Ich war einfach zu sehr von der Schönheit überwältigt. Erst jetzt begann ich, Fotos zu machen.
Vor uns erstreckte sich eine geschwungene Holzbrücke über das Wasser. Im klaren See spiegelte sie sich wie ein sanfter Bogen. Ein Hund schwamm eifrig, um einen Ball zu holen, den sein Besitzer ins Wasser geworfen hatte. Die Spiegelung der Brücke bewegte sich mit den Wellen, während die Menschen darauf standen und lächelnd zusahen.
Gegenüber lag ein Schilfgürtel. Ein schmaler Weg führte hindurch. Dahinter stand ein kleines Haus, umgeben von grünen Wiesen. Die Szene erinnerte sofort an ein Gemälde eines berühmten französischen Malers. Für einen Moment hatte man das Gefühl, selbst Teil dieses Bildes zu sein – wie in einem Traum.
Weiter links erstreckten sich Wiesen und Wälder, rechts lag wieder die weite Wasserfläche. Ein Holzsteg führte etwa hundert Meter in den See hinein. Am Ende standen zwei junge Menschen in Badekleidung. Tatsächlich gingen sie in das kalte Wasser – trotz der noch winterlichen Temperaturen. Mutig!
Für einen Moment dachte ich: Wie schön wäre es, jetzt auch ins Wasser zu gehen. Doch es war mir eindeutig zu kalt. Wahrscheinlich hat jeder diesen Gedanken – einmal in solch klarem Wasser unter blauem Himmel zu schwimmen.
Die Sonne schien noch immer, doch unsere Zeit war vorbei. Wir gingen zurück zum Parkplatz. Immer mehr Menschen kamen an, alle gut gelaunt. Der Winter war vorbei, der Frühling begann.
Wir hatten ihn hier begrüßt – an diesem wunderschönen Tegernsee.
Auf dem Heimweg ging mir immer wieder ein Gedanke durch den Kopf:
Wo bin ich eigentlich?
Ich bin in der Natur –
und die Natur ist in mir.






