Die Grundschule – Vor der Schule
Ende der 1980er Jahre war das Leben auf dem Land noch sehr arm, besonders in den Dörfern. Nicht jedes Dorf hatte eine eigene Grundschule; oft gab es nur eine Schule für mehrere Dörfer. Außerdem gingen nicht alle Kinder zur Schule.
Damals verteilte die Regierung die Felder an die Familien. Jede Familie war für den Ertrag ihres Feldes verantwortlich und musste einen Teil davon an den Staat abgeben. Viele Kinder mussten deshalb ihren Eltern bei der Feldarbeit helfen, damit die Familie genug zum Leben hatte.
Um das Bildungsniveau der Bevölkerung zu verbessern, wurde vorgeschrieben, dass alle Kinder im schulpflichtigen Alter die Grundschule besuchen müssen. Für die Umsetzung waren der Dorfvorsteher und die Schulleitung verantwortlich.
Fast jedes Jahr im Sommer besuchten der Dorfvorsteher und die Schulleitung die Familien, deren Kinder zur Schule gehen sollten. Das war keine leichte Aufgabe, denn nicht alle Kinder wollten zur Schule gehen – und auch nicht alle Eltern wollten ihre Kinder schicken, selbst wenn die Kinder es manchmal gerne getan hätten.
Damals war Thomas bereits neun Jahre alt, wollte aber nicht zur Schule gehen. Ohne Schule konnte er tun, was er wollte: er lief mit anderen Kindern fast nackt durch die Gassen des Dorfes oder über die Feldwege. Sie spielten im Teich oder in den Wassergräben, in denen es sogar kleine Fische gab, die man leicht fangen konnte. Morgens konnte er schlafen, solange er wollte, denn meine Eltern gingen meist schon um fünf Uhr früh zur Feldarbeit. Abends musste er ihm keine Sorgen um Hausaufgaben machen.
Er hatte eine ältere Schwester und einen älteren Bruder, sodass seine Hilfe auf dem Feld nicht unbedingt gebraucht wurde.
Doch eines Sommerabends kamen wieder der Dorfvorsteher und die Schulleitung zu uns. Sie erklärten seine Eltern, dass Thomas in diesem Jahr die Grundschule besuchen müsse – sonst drohe eine Frei-Dienst-Strafe, nämlich mehr öffentliche Arbeit für Dorf ohne Löhne. Seine Eltern hatten keine Zeit dafür, doch der Schulbesuch selbst war kostenlos.
An diesem Abend sprachen seine Eltern lange mit ihm. Er wollte nicht zur Schule gehen – aber er musste.
Er weinte.